Die Suche nach der Freiheit

04.11.2019Die neue Unfreiheit

Im August hab ich einen neuen Job angefangen, in einem großen, modernen Thai-Unternehmen. Und das nach knapp drei Jahren vollkommener Freiheit: ich konnte als Digitaler Nomade durch die Welt reisen wie ich Lust hatte und meinen Tag gestalten wie ich wollte. Und jetzt wieder 8h pro Tag im Büro, mit Chef und allem was dazu gehört. Puh, große Änderung!

Die Motivation

Beim Reisen bin ich über die Zeit eh schon deutlich langsamer geworden. Ganz am Anfang meiner Reisen, in Georgien, Armenien und Aserbaidjan, hatte ich in jedem Land nur drei Wochen verbracht, am Schluss im spannenden Kolumbien und im schönen Peru jeweils ganze drei Monate und in Bangkok dann sogar schon ein ganzes Jahr. Irgendwann war es dann doch wieder schön, ein Zuhause, ein fester Platz. Zumindest wenn man dabei noch Tropenwetter, freundliche Menschen und paradiesische Strände in direkter Nähe hat 😎

Aber ich hatte dann das Gefühl, ich stecke fest - ich hab meine 30h/Woche für den Remote-Job gearbeitet, aber da war trotz netter Kollegen auch keine Herausforderung oder Neues mehr. Es war ein guter Deal insgesamt, ein moderates Gehalt für easy Arbeit mit sehr viel Autonomie und eben dem permanenten durch-die-Welt-tingeln. Aber meine eigenen Projekte kamen überhaupt nicht weiter. Ich hatte unglaublich viel herumgespielt, ausprobiert und gegrübelt, aber wirklich viel bei herum kam ja nicht, nur die 600€/Monat von OpenRussian, das ja schon seit Jahren steht.

Hier war ich also in Bangkok, kam beruflich und mit den Projekten nicht weiter und hatte aber eh schon ein ziemlich strukturiertes Leben: Jeden Morgen von Montag bis Freitag in's Coworking, Abends nach Hause, manchmal Bierchen oder Weinchen mit Freunden, ein ganz normales Leben. Dazu kam Neugierde, wie es wohl ist, in einem großen Unternehmen zu arbeiten (sind da wirklich alle so langsam?), da war ich schon lange neugierig drauf. Mal so ne richtig Stromberg-sche Abteilung am Besten. Und natürlich die Verheißung eines guten Gehalts, ich hatte gehört dass Ausländer in Bangkok ganz gut verdienen können. Dann in Gespräche mit True Digital gekommen und zack, 1.8. war dann schon Start!

Und, wie isses?

Drei Monate bin ich jetzt schon dabei, und die Zeit fliegt! Am Anfang war ich ziemlich nervös und dachte jeden Tag, ich würde wahrscheinlich gefeuert werden, hab mir ganz schön Druck gemacht. Ich fühle mich immer noch, als würde ich mein Gehalt nicht wirklich verdienen und müsste deshalb unmenschliche Leistung vollbringen; mittlerweile bin ich mir aber immer häufiger sicher, dass die mich erstmal behalten wollen..

Der Job an sich ist an den meisten Tagen ziemlich cool. Ich programmiere nicht mehr sondern bin eher eine Art in-house Tech-Consultant, offiziell "Solution Architect". Mein Team sitzt zusammen, wir werden aber immer einzeln auf Probleme oder Problemfelder angesetzt, die wir dann "drive"n sollen. Also die Sache analysieren, schauen wer alles involviert ist, Umfang ausloten, gucken was getan werden muss und dann die Geschichte vorwärts bringen, was auch immer es ist. Oft sind die Aufgaben natürlich schon technisch, z.B. ermitteln warum unser Zahlungssystem immer in Spitzenzeiten zusammenbricht. Manchmal sind sie konzeptuell, z.B. die Begrifflichkeiten User, Profil und Account zu klären und propagieren und manchmal geht es rein um People-Handling.

Ich lerne richtig viel, vor allem Soft-Skills wie Zusammenarbeit, Leadership oder Stress-Resistenz 😄 Der Job bringt mich ziemlich voran, einmal wegen des ganz anderen Umfelds (Groß-Unternehmen, so viele Leute...) und einmal wegen der ganz anderen Perspektive auf Dinge, als man das in einem Startup hat. Zeit ist weniger wichtig, vieles zieht sich Wochen oder Monate hin und das macht irgendwie auch nichts. Es kann an der Geduld zehren, aber wenn Entscheidungen fallen, stehen sie dafür auch bombenfest und die Technologie ist dann auch zehn Jahre im Einsatz. Das Großunternehmen eben als schwerfälliger, aber mächtiger Tanker.

Das Finanzielle

Die Arbeit macht an den meisten Tagen Spaß, aber natürlich gehe ich dort nicht aus Leidenschaft hin, sondern weil es immer das Gehalt gibt. Ganze 7.000€ netto monatlich sind das tatsächlich, also rund 350€ pro Arbeitstag, wow. Irre viel. Da steht man auch an Null-Bock-Tagen gerne für auf. Und es ist rund 15x so viel wie meine Freundin hier verdient. Findet sie unfair und ich eigentlich auch 🤑

Soweit konnte ich dem "Lifestyle-Creep" gut widerstehen, also dass man sich mit Gehaltsanstieg auch entsprechend mehr Luxus gönnt. Ich gebe für Wohnung plus Alltag rund 1.300€ aus, der Rest sammelt sich gerade auf meinem thailändischen Konto an. Durch den starken Baht und schwachen Euro wird das, in Euro gemessen, auch ständig mehr, deshalb will ich das Geld erstmal nicht nach Europa bringen. Ach, und die Transferkosten, sind ja auch etwa 3%.

Das Anlegen in Fonds hab ich deshalb zurzeit auf Eis gelegt, eben weil ich das Geld dafür nach Deutschland bringen müsste. Ich könnte auch Fonds bei einer Thai-Bank kaufen, aber ich weiß nicht, wie lange ich noch hier bleibe. Ideal wäre eine komplett internationale Bank, aber die gibt's noch nicht.

Was also machen mit dem Geld? Der Plan: Ich will mir dieses Jahr noch eine Wohnung kaufen! Mein Onkel will gerade eh noch eine abstoßen, die wäre wieder in Düsseldorf, wie die erste auch, und ich müsste nicht selbst eine Wohnung suchen, was von Thailand aus eh schwierig ist. Die meines Onkels kostet 90.000€, also brauche ich dafür rund 10.000€, die ich an Kaufnebenkosten bezahlen muss. Mit einer Bank für den Kredit bin ich auch schon im Gespräch, bin schon aufgeregt!

Dann würde ich auch noch 7.500€ als Sonderzahlung für die erste Wohnung leisten und das war's dann auch schon mit meinem Cash für dieses Jahr.. Und ab Januar 2020, wohin mit dem Geld? Hmm, mal schauen. Wahrscheinlich wieder weiter in Fonds anlegen, bei welcher Bank auch immer. Mir wird schon etwas einfallen!

Next Steps

Wie geht's weiter? Keine Ahnung. Ein paar Monate werde ich mindestens noch bei dem neuen Job bleiben. Als Gesamtplan habe ich noch mein Ziel der finanziellen Unabhängigkeit, aber was ich in Sachen Projekten mache oder wohin es als nächstes gehen würde, weiß ich wirklich nicht. Kommt Zeit, kommt Rat.

Wünsche allen einen schönen November! ☃️

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